Über uns | About us

Musik ist Musik ist Musik ist

Im Dezember 1980 rauften sich vier Jazz-Enthusiasten zusammen, um in ihren Augen überfällige Titel zum Free Jazz und der frei improvisierten Musik aus dem Amerikanischen und Englischen ins Deutsche zu übertragen und herauszubringen. Die „Wolke“ als Verlagsname dafür schwebte über einem röhrenden Hirsch auf einem Landschafts-Schinken in Öl im Treppenhaus der Gründerzeitvilla des Frankfurter Notars, der den Grundstein des Verlages zu besiegeln half. Neben improvisierter Musik standen in den ersten Verlagsjahren auch Literatur und Kunst aus dem Umfeld von DADA bis Surrealismus auf dem Verlagsprogramm.
Den Einstieg in die sogenannte „ernste Musik“ erstolperten wir uns sowohl in Paris mit der Entdeckung der Satieschen Écrits, als auch mit dem Erstaunen darüber, dass das autobiografische Standardwerk Artur Schnabels „My Life and Music“ noch nach zwanzig Jahren auf kein Interesse seitens eines deutschen Verlages gestoßen war. Beide Werke fanden maßgeblich in übersetzerischer Eigenleistung ihren Weg zur deutschen Musikleserschaft.
Etliche Ideen zu Büchern sind zusammen mit Autoren oder Herausgebern entwickelt worden. Etwa Peter Niklas Wilsons „Hear and Now“ oder der Debattenband „Musik, Ästhetik, Digitalisierung“. Zu den bisherigen Highlights solchen Zusammenspiels zählen insbesondere die beiden Brötzmann-Bände, der Artur-Schnabel/Therese-Behr-Briefwechsel, Zehentreiters „Musikästhetik“, Josts „Jazzgeschichten“ und Yoffes „Im Fluss des Symphonischen“, allesamt Bände, die in ihrer Konzeption neue Wege eingeschlagen haben. Dazu gehört auch die etwas andere Biografie Bettina Zimmermanns: „con tutta forza“, die inhaltlich wie formal neues Terrain betritt und dafür überschwänglich als „Jahrhundertbiografie“ gefeiert wurde.
Eigene Pfade beschreiten auch unsere Herbstveröffentlichungen: So entfaltet Hans-Peter Jahn in seiner Biografie „Otto Tomek Der Rundfunk und die Neue Musik“ eine bis heute kaum betrachtete Entstehungsgeschichte Neuer Musik in der Nachkriegszeit unter Medienaspekten, genauso wie Wolfgang Rathert und Berndt Ostendorf 60 Jahre nach der letzten deutschsprachigen Gesamtdarstellung versuchen, die ungeheuer facettenreiche Musikgeschichte der USA unter Gesichtspunkten der Migration, Emergenz und Emanzipation zu fokussieren. Weiter möchte ein kleines Bändchen mit dem Titel: „Don’t think positive“ – aus dem tiefsten Herzen Frankfurter Wissenschaftskritik kommend – dazu anregen, einer naturwissenschaftlich-positivistisch orientierten Musikwissenschaft kritisch auf den Zahn zu fühlen.

Die inhaltliche Ausrichtung unseres Programms planen wir lange im Voraus. Die Kunst dabei ist (neben dem Glück, die passenden Titel gefunden zu haben), viele Faktoren parallel ins Auge zu fassen. Einer der maßgeblichen Faktoren hierbei ist die Einschätzung des gesellschaftlichen Wandels und den der kulturellen Beschäftigungen in der näheren wie ferneren Zukunft. Und natürlich der zukünftigen Beschäftigung mit dem Buch insgesamt: Gerade dieser recht ungemütlichen Frage müssen wir uns mit nüchternem Kalkül (bei gleich unnüchterner Begeisterung) stellen.
Wir sind der Überzeugung, dass dem gut recherchierten Buch in Zeiten immer diffuser strömender Informationen wieder eine stärkere Aufmerksamkeit zuwachsen kann. Das „ideale Buch“ in unseren Augen ist multiperspektivisch und ebenso geschichtlich reflektiert und fundiert wie es genauso den Blick über den Tellerrand der Geschichte hinaus wagt. Nach einer langen Phase postmoderner Nivellierung von Historie stellen wir ein wachsendes Bedürfnis danach fest, wieder beim Buchstaben A der Erzählung zu beginnen: Nämlich geschichtliche Entwicklungen des kulturellen Handelns und Denkens nachzuvollziehen, so wie es beispielsweise zuletzt Ferdinand Zehentreiter in seiner Darstellung der Entfaltung musikästhetischer Denkbilder und Ideen seit E.T.A. Hoffmann unternommen hat. Mit dem gleichen geschichtlichen Besteck wird er in seinem nächsten Buch die Ästhetik der Neuen Musik unter Gesichtspunkten zu betrachten versuchen, die sich erst mit dem nötigen Abstand zu ihrer Entstehungsgeschichte herauskristallisiert haben.

Wer neugierig ist auf unsere nächsten Publikationen: Zu Beginn des Jahres 2019 werden wir einen Band über das SWR-Experimentalstudio Freiburg, eine Untersuchung zu Nonos Musiktheater unter theaterwissenschaftlichen Aspekten, einen Band über die musikalische Lyrik Aribert Reimanns und einen zu den Schlüsselwerken der Musikgeschichte vom 12. Jahrhundert bis 1961 (ein Überblick über 800 Jahre Musikgeschichte) vorlegen. In der Mitte des Jahres folgt u.a. ein Band zur Geschichte der experimentellen Musik in Deutschland Ende der 1950er bis Anfang der 1970er Jahre (in Englisch),  gegen Ende des Jahres dann ein opus magnum zur Oper das 20. Jahrhunderts (ihren großen wie auch vergessenen Werken).

Das Herz unserer Verlagsarbeit schlug von Anbeginn an für Entdeckungen, für deren Bergung wir dann mit Wissenschaftlern und Autoren zusammen kommen: das derzeitige Gemeinschaftsprojekt heißt Walter Gieseking, einer der ganz großen Pianisten des 20. Jahrhunderts. Er harrt bislang (aus unterschiedlichen Gründen) seiner Erforschung (und Entdeckung) und wie es aussieht, könnte diese zudem zu einer Neubetrachtung der Geschichte des Klavierspiels und -repertoires in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts führen. Ein umfangreiches und spannendes Material liegt uns vor: allein bald 2.500 Rezensionen aus den Jahren 1920 und 1926, eine umfängliche Korrespondenz, zahlreiche Dokumente und Fotos, die bis heute in Kartons verstaut schlummerten. Wir sind alle sehr neugierig, welche Erkenntnisse wir aus diesem Material werden ziehen können.

Ansonsten halten wir fortwährend Ausschau im großen und teils reichen Feld der Gegenwartsmusik. Uns interessieren dabei viele Aspekte, wenn sie nur gehaltvoll genug sind, eine interessante Perspektive auf die Musik unserer Zeit zu werfen. An guten musikjournalistischen Arbeiten sind wir immer interessiert, an Untersuchungen von musikwissenschaftlicher Seite dann, wenn sie keine Scheuklappen zum kulturellen, historischen, geistes- wie kunstwissenschaftlichen Umfeld haben und über den engeren Fachzirkel hinaus von Interesse sind. Für musikwissenschaftliche Spezialuntersuchungen haben wir unsere Reihe „sinefonia“, die herausragende Arbeiten (in der Regel summa cum laude-Dissertationen) aufnimmt.

Ach ja: wir haben immer wieder Remittenden und Sonderangebote / Buchpakete zum Sonderpreis. Nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf, oder informieren Sie sich unter: www.buecher-zur-musik.de.

Wir freuen uns auf Ihre/eure Zuschriften