Sound in Artistic Research fragt, was geschieht, wenn Hören selbst zur Forschung wird. Internationale Künstler:innen und Wissenschaftler:innen erkunden Klang als eigenständige Form des Wissens. Dabei verbinden sie künstlerische Praxis, theoretische Reflexion und gesellschaftliche Kritik.
Die Beiträge führen von arktischem Sonar bis zu Web-Cookies. Sie untersuchen wissenschaftliche Messverfahren, digitale Überwachung und die klangliche Wahrnehmung öffentlicher Räume. Außerdem beschäftigen sie sich mit Migration, dekolonialen Hörpraktiken, Körperlichkeit und feministischer Care-Ethik. So zeigt der Band, wie Klang verborgene politische, soziale und technologische Zusammenhänge erfahrbar machen kann.
Hören als künstlerische Forschung
Was gilt als Wissen? Wer darf es hervorbringen? Und welche Erfahrungen bleiben ungehört? Die Autor:innen geben darauf keine einheitliche Antwort. Vielmehr treffen bewusst unterschiedliche Positionen aufeinander. Einige Beiträge hinterfragen grundsätzlich, ob sich Kunst überhaupt erforschen lässt. Andere entwickeln konkrete Methoden für ein pluralistisches, verkörpertes und verantwortliches Wissen.
Im Mittelpunkt steht daher nicht nur der Klang selbst. Ebenso wichtig sind die Situationen, Beziehungen und Machtverhältnisse, in denen wir hören. Der Band versteht Zuhören als aktive Praxis. Es kann Aufmerksamkeit erzeugen, Verbindungen schaffen und etablierte Vorstellungen von Erkenntnis infrage stellen.
Ein Archiv internationaler Sound Studies
Sound in Artistic Research geht aus den öffentlichen Vortragsreihen Artistic Research in Sound hervor. Sie fanden im Masterstudiengang Sound Studies and Sonic Arts an der Universität der Künste Berlin statt. Dieses einzigartige Studienprogramm verband seit seiner Gründung klangkünstlerische Praxis mit theoretischer Arbeit. Anfang 2026 nahm es seinen letzten Jahrgang auf.
Der Band bewahrt zentrale Diskussionen des Programms und führt sie zugleich weiter. Alle Beiträge durchliefen ein wissenschaftliches Peer-Review-Verfahren. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte die Publikation im Rahmen des Projekts The Sonic Real.
Das Buch richtet sich an Klangkünstler:innen, Musiker:innen, Forschende und Studierende. Darüber hinaus spricht es alle an, die sich für Sound Studies, Musikwissenschaft, Medienwissenschaft und zeitgenössische Kunst interessieren. Es lädt dazu ein, genauer hinzuhören – und dadurch Forschung, Wissen und unsere gemeinsame Gegenwart neu zu betrachten.
Der Band erscheint am 31. Oktober und kann jetzt bereits vorbestellt werden.