Wolke-Halbjahresvorschau 1/2026

Musik verschwindet, Bücher bleiben: unsere Halbjahresvorschau 1/2026

Kaum ist ein Ton erklungen, ist er bereits Vergangenheit. Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir seit 1980 so viele Bücher über Musik machen – nicht um sie festzuhalten, sondern um ihr nachzugehen: ihren Ideen, ihren Konflikten, ihren Geschichten und den Fragen, die sie hinterlässt. Mit unserer ersten Halbjahresvorschau des Jahres stellen wir das Programm vor, mit dem der Wolke Verlag in dieses Jahr startet – ab sofort auch als PDF zum Download sowie gratis als Print-Beilage zu jeder Bestellung in unserem Webshop.

Das Programm 1/2026 versammelt keine Bücher zu einem Stil, einer Epoche oder einer Institution. Stattdessen kreisen sie um gemeinsame Fragen: Wie verändert sich Musiktheater jenseits des Opernhauses? Welche Rolle spielt Komposition in einer global vernetzten Welt? Wie schreiben wir Musikgeschichte neu? Und wie lässt sich über Musik sprechen, ohne sie auf Begriffe zu reduzieren?

Oper jenseits des Opernhauses

Ein Schwerpunkt des Halbjahres ist die Frage, was mit Musiktheater geschieht, wenn es die Institution Opernhaus verlässt. Der von Ulrike Hartung und Gesa zur Nieden herausgegebene Sammelband Opera where it doesn’t exist. Peripherie als Neuland versammelt über zwanzig internationale Beiträge zu Oper als offener Praxis – in Museen, im öffentlichen Raum, in digitalen Umgebungen. Klanglich und räumlich weitergedacht wird diese Frage auch in Margarethe Maierhofer-Lischkas Studie „Ich höre die Steine, sehe den Klang und lese das Wasser“ über das zeitgenössische Hör-Musiktheater von Luigi Nono bis Chaya Czernowin (mehr darüber hier in einem Blog-Beitrag der Autorin). Live erfahrbar wird dieses Denken vom 21. bis 29. März 2026 bei der MaerzMusik × Wolke Library im Haus der Berliner Festspiele: ein temporärer Raum, in dem Bücher, Gespräche, Lesungen und Klangobjekte aufeinandertreffen.

Schwerpunkt: Hans Werner Henze @100

Zum hundertsten Geburtstag von Hans Werner Henze widmen wir dem Komponisten gleich drei Bücher. Nach seinem Schönberg-Buch setzt Christoph Becher mit Die Henze Challenge seine Reihe fort und führt in zwölf Stationen – mit QR-Codes zu Musikbeispielen – durch Henzes Werk. Der neue wilde Wohlklang, herausgegeben von Wolfgang Molkow, Rainer Peters und Hans-Klaus Jungheinrich, versammelt drei eigenständige Perspektiven auf Oper, Politik und Freundschaften des Komponisten. Und Franz-Josef Heumannskämper macht mit Dear Billy erstmals den Briefwechsel zwischen Henze und dem Bariton William Pearson zugänglich – ein Zeitdokument über El Cimarrón, künstlerische Zusammenarbeit und die politischen Umbrüche ihrer Zeit.

Erinnerung, Portrait, Quellenarbeit

Drei Bücher nähern sich Komponistenpersönlichkeiten auf sehr unterschiedliche Weise. Klaus Reichert erzählt in „I welcome whatever happens next“. Erinnerungen an John Cage aus jahrzehntelanger persönlicher Nähe – die englische Ausgabe erscheint im Juli 2026. Bettina Zimmermann öffnet mit con tutta forza: Bernd Alois Zimmermann anhand unveröffentlichter Briefe und Fotografien ein persönliches Fenster auf den Komponisten der Soldaten. Und Andreas Dorfner legt mit „Die Soldaten“ von Bernd Alois Zimmermann. Ein Monolith in zwei Teilen die bislang umfassendste analytische Studie dieser Schlüsseloper des 20. Jahrhunderts vor.

Neues Denken über Musik

Wie lässt sich musikalisches Denken jenseits etablierter Kategorien fassen? Sandeep Bhagwatis Essayband Śabdagatitāra. How to Weave Musics bündelt drei Jahrzehnte Reflexion über Komposition, Improvisation und kulturellen Austausch. Claus-Steffen Mahnkopf entwirft in Die Stimme der Musik – jetzt auch als Paperback – eine systematische Musikphilosophie für das 21. Jahrhundert. Und mit unserer neuen Essayreihe SYNKOPEN, herausgegeben von Nicolas Donin, Steven Takasugi und Magdalena Zorn, eröffnen wir Raum für kürzere, pointierte Interventionen: Eloain Lovis Hübner zum kompositorischen Denken jenseits der Musik, Peter Kraut mit hundert kurzen und hundert langen Antworten auf die Frage, wo Musik aufhört, Nikolaus Gerszewski aphoristisch über Kunst und Wahrnehmung sowie Magdalena Zorn selbst über die „Akustheologie“ der Spätmoderne.

Ein eigenständiger Zeitschriftenbereich

2026 ist für Wolke auch das Jahr, in dem ein eigenständiger Zeitschriftenbereich entsteht. Mit Tempo. The Quarterly Review of New Music übernehmen wir die 1939 gegründete, international führende Zeitschrift für zeitgenössische Musik von Cambridge University Press – die erste Ausgabe unter unserem Dach erscheint im Januar 2026. Daneben startet kaput – Magazine for Insolvency & Pop, ein englischsprachiges Magazin an der Schnittstelle von Musik, Kunst, Politik und Popkultur.

Bücher als Ausgangspunkt

Ob im Druck, im Konzertsaal bei wolke in concert oder im Gespräch bei der MaerzMusik × Wolke Library: Wir verstehen unsere Bücher nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt von Begegnungen. Die  Halbjahresvorschau 1/2026 mit allen Titeln, Preisen und ISBN finden Sie hier auf unserer Webseite zum Download; frei Haus wird sie im Print-Format zu jeder Webshop-Bestellung hinzugelegt. Wer keine Neuerscheinung, keine Veranstaltung und keine Ausgabe von Tempo oder kaput verpassen möchte, abonniert aber immer noch am besten hier unseren Newsletter.

Patrick Becker
Januar 2026

Hier geht’s zur Halbjahresvorschau 1/2026

Geben Sie hier Ihre Suche ein

Bei der Suche nach ISBN bitte die Bindestriche weglassen!