Claus-Steffen Mahnkopf: Die Stimme der Musik

Claus-Steffen Mahnkopf: Die Stimme der Musik

Wen treibt nicht die Frage um, was Musik denn sage, ausdrücke, mitteile, spreche? Wir unterstellen immer, dass das so sei, dass Musik eine Sprache sei. Doch welche ist sie? Offenbar nicht die, in der wir reden und denken. Sie ist eine Sprache der anderen Art. Nun hat die Philosophie im 20. Jahrhundert den sogenannten linguistic turn hingelegt, also fundamentale Fragen über die Sprachphilosophie zu beantworten gesucht, aber eine veritable Musik-Sprach-Philosophie wurde nicht entwickelt, weder von den Philosophen noch von den Musikwissenschaftlern.

Mein Buch versucht nun genau das zu sein: die Ergründung und Entfaltung der Musik als einer Sprache sui generis. Und der Ausgangspunkt ist die Stimme, Stimme im doppelten Sinne, als Organ und als Laut. Also nicht die Sprache, die ja auch schriftlich sein kann und nur einen Teil der Stimme besetzt. Damit vollziehe ich einen Paradigmenwechsel in der Musikphilosophie: weg von der Sprache, hin zur Stimme.

Also muss das Buch tief hinabsteigen in die Vorgeschichte der modernen Menschheit, zu den Ursprüngen der Stimme und der Sprechfähigkeit; zurückgehen in die allererste Kindheit; zurückblicken auf die Anfänge der Instrumentalmusik; und weitere Wissenschaften bemühen: Linguistik, Semantik, Semiotik und Gehirnforschung.

Das Buch beginnt klassisch, mit der Vorstellung der Voraussetzungen, was also als Musik gelte, als Werk, als Aufführung, als Schrift, als Darüber-Sprechen und -Schreiben. Sodann wird die Stimme umfänglich expliziert. Dies geschieht immer auch in Auseinandersetzung mit den wichtigen Philosophen, die sich zu Musik geäußert haben, also nicht nur Adorno und Wittgenstein, sondern auch Plessner, Günther Anders, Walter Benjamin, Heidegger, Robert Brandom, Peirce bis hin zur Leibphänomenologie und der Psychoanalyse.

Ein zentrales Kapitel sortiert die Modi des musikalischen Verstehens, also der musikalischen Semantik. Immerhin 25 verschiedene Zugänge habe ich gefunden. Alle treffen einen bestimmten, aber eben einseitigen Punkt an Musik. Alle sind nicht falsch, aber eben perspektivisch.

Im Hauptkapitel geht es um die Explikation der Musik als einer eigenen Sprache. Dabei wird Musik zunächst als ein System mit internen und nicht nur äußeren Eigenschaften beschrieben. Es geht von einer einfachen Beobachtung aus: In Nullkommanichts können wir Stücke erkennen, wir können problemlos in einen Geburtstagskanon einsteigen, auch wenn wir glauben, unmusikalisch zu sein. Im Prinzip ist Musikhören kinderleicht. Doch warum ist das so? Was macht unser Gehirn, um mitten in einem Stück zu sagen: Ja, das ist Brahms‘ Vierte? In gewisser Weise ist mein Buch auch eine Transzendentalphilosophie, indem es genau das zu erklären sucht.

Im letzten Teil wird der geschichtliche, der kulturelle, der gesellschaftliche Aspekt von Musik beschrieben, auch der Nutzen und Nachteil für das persönliche Leben. Hier wird auch der Horizont über „unsere“ Musik geweitet, mit zwei Exkursen zur indischen und zentralafrikanischen Musik und zum Ursprung der Musik weit vor den Neandertalern. Den Abschluss bildet ein Ausblick auf die hoffentlich weiterhin freie Gesellschaft.

– Claus-Steffen Mahnkopf

Geben Sie hier Ihre Suche ein

Bei der Suche nach ISBN bitte die Bindestriche weglassen!