Jonas Reichert – Mikrotonalität in Mexiko

Konzeptualisierung und Realisierung des “Sonido 13” von Julián Carrillo (1921-1925)

Das Buch zeichnet das Porträt eines ebenso faszinierenden wie umstrittenen Pioniers der Musikgeschichte: Julián Carrillo, der mit seinem Konzept des „Sonido 13“ Anfang des 20. Jahrhunderts die Grenzen des westlichen Tonsystems sprengen wollte. Seine Idee einer mikrotonalen Musik, die über die klassischen zwölf Halbtöne hinausgeht, sollte Mexiko einen Platz in der musikalischen Avantgarde sichern – und stieß zugleich früh auf Skepsis.

Die Studie zeigt, dass diese Skepsis nicht unbegründet war. Mit neu erschlossenen Quellen wird deutlich, dass Carrillos Projekt zwischen Innovation und Selbstüberschätzung schwankte. Besonders die Jahre 1921 bis 1925 werden erstmals detailliert rekonstruiert, inklusive der Transkription seiner frühen Kompositionen. Dabei tritt ein komplexes Geflecht aus Experimenten, Missverständnissen und kulturellen Bruchlinien zutage.

Gleichzeitig arbeitet die Untersuchung die tatsächliche Innovationskraft des „Sonido 13“ heraus und verortet es als erstes mikrotonales Kompositionssystem Lateinamerikas. Carrillo erscheint darin als ambivalente Figur: international geehrt und zugleich lange marginalisiert, zwischen Anerkennung und Vergessen.

Insgesamt entsteht das Bild einer mikrohistorischen Entdeckungsreise, die nicht nur musikalische Ideen, sondern auch deren Rezeption kritisch hinterfragt – zwischen Faszination, Mythos und wissenschaftlicher Revision.

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