Margarethe Maierhofer-Lischka

„Ich höre die Steine, sehe den Klang und lese das Wasser“

Inszenierungen von Wahrnehmung im zeitgenössischen Hör-Musiktheater

Margarethe Maierhofer-Lischka öffnet die Tür zu einer faszinierenden und bislang wenig erforschten Kunstform: dem Hör-Musiktheater, das konventionelle Grenzen zwischen Klang, Raum und visueller Inszenierung auflöst. Im Zentrum steht die Frage, wie Wahrnehmung selbst zur Bühne wird, wenn Klangräume architektonische Prinzipien verkörpern, Stimmen zwischen Körper und Abstraktion oszillieren und das Hören als performativer, körperlicher Akt in den Mittelpunkt rückt.

Die Autorin verbindet musik-, theater- und kulturwissenschaftliche Perspektiven zu einer interdisziplinären Methodik, die über traditionelle Werkanalysen hinausgeht. Anhand detaillierter Fallstudien – darunter Luigi Nonos epochale „Hörtragödie“ Prometeo, Beat Furrers raumgreifendes Hörtheater FAMA, Adriana Hölszkys Klangtheater tragödia sowie die atmosphärischen Musiktheaterarbeiten von Klaus Lang und Chaya Czernowin – zeigt sie, wie diese Werke unser Hören neu konfigurieren. Der Raum wird zum Instrument, die Stimme zur klanglichen Topographie, und architektonische Strukturen wie der Goldene Schnitt oder die Fibonacci-Reihe finden ihren Widerhall in kompositorischen Verfahren.

Besonders eindrücklich analysiert Maierhofer-Lischka, wie Renzo Pianos mobile Holzkonstruktion „arca“ für Nonos Prometeo oder Peter Bürglers bewegliche Klangbox für Furrers FAMA den Aufführungsraum selbst zu einem aktiven Mitspieler machen – die Grenze zwischen Bühne und Publikum löst sich auf, und es entsteht eine immersive Klangerfahrung, die alle Sinne anspricht. Durch multimodale Wahrnehmungskonzepte, die Hören, Sehen, Fühlen und sogar Riechen miteinander verschränken, entstehen einzigartige Narrative jenseits traditioneller Erzählformen. Chorische Elemente eröffnen dabei rituelle und gesellschaftliche Dimensionen, während die Inszenierung der menschlichen Stimme – vom Flüstern über den Atem bis zum Schrei – eine eindringliche vokale Intensität erzeugt, die zwischen Sprache, Klang und Körperlichkeit vermittelt.

Das Buch beleuchtet darüber hinaus, wie akustische Narrativität im Hör-Musiktheater funktioniert: Textfragmente, Bewusstseinsströme und intertextuelle Bezüge schaffen ein nicht-lineares Erzählen, das das Publikum aktiv in die Sinnstiftung einbezieht. Die Auseinandersetzung mit Gattungsbegriffen – von der „Hörtragödie“ bis zum „Sprachklangtheater“ – zeigt, wie sich diese hybride Kunstform jenseits etablierter Kategorien verortet und dabei neue Perspektiven auf das Verhältnis von Musik und Theater eröffnet.

Der Band erscheint am 31. März und kann jetzt bereits vorbestellt werden.

Print: 256 S., Paperback, € 44,00, ISBN 978-3-95593-606-8
Sprache: Deutsch

Gewicht: 0,45 kg

44,00 

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