Margarethe Maierhofer-Lischka untersucht das Hör-Musiktheater als eine experimentelle Kunstform, in der Klang, Raum und szenische Gestaltung ineinander übergehen. Im Zentrum steht die Idee, dass Hören selbst zur körperlichen und räumlichen Erfahrung wird und der Aufführungsraum aktiv am musikalischen Geschehen teilnimmt.
Anhand zentraler Werke von Luigi Nono, Beat Furrer, Adriana Hölszky, Klaus Lang und Chaya Czernowin zeigt sie, wie sich traditionelle Grenzen zwischen Bühne und Publikum, Musik und Theater auflösen. Raum wird zum Instrument, die Stimme zum bewegten Klangkörper, und auch architektonische Strukturen beeinflussen kompositorische Prozesse.
Die Studien machen deutlich, dass Hör-Musiktheater auf immersive, multisensorische Erfahrungen setzt und lineare Erzählweisen durch fragmentierte, offene Formen ersetzt. So entsteht eine hybride Kunstform, die das Verhältnis von Wahrnehmung, Musik und Theater grundlegend neu denkt.
Hier beschreibt die Autorin ihre Motivation für ihr Buch:
„In unserer medialisierten Gesellschaft ist Aufmerksamkeit ein wertvolles Gut. Zuhören als eine Form akustischer Aufmerksamkeit hat nicht nur persönliche, sondern auch soziale und politische Dimensionen. Das Erlebnis einer Aufführung von „FAMA“ von Beat Furrer hat mich motiviert, mich näher mit dem Thema Hören zu beschäftigen. In meinem Buch zeige ich, wie Komponistinnen und Komponisten den Akt des Zuhörens als theatrales Gestaltungsmittel nutzen, um eine neue Form des Hör-Musiktheaters zu schaffen. Durch akustischen und elektronisch gestalteten Klang werden Räume, Situationen und Narrationen geformt, es entstehen innere Bilder – wir lernen im Wortsinne, wie es ist, „die Steine zu hören“ (Luigi Nono) oder „mit den Ohren der Haut“ (Juhani Pallasmaa) zu sehen. Anhand von Einblicken in die Komposition und Aufführung können die Leser in ausgewählten Stücke eintauchen. Eine Anstiftung zum Zuhören!”